i5 Logo - Home

RWTH Aachen University 
Homepage o Projects o Teaching o Staff o Publications o Service o o
o


Up
Bearbeitung
Dipl.-Seminar

Die Diplomarbeit soll die Fähigkeit zum weitgehend selbständigen Umgang mit den Methoden der Informatik am Beispiel einer größeren Arbeitsaufgabe demonstrieren. In der praktischen Informatik wird sie oft in der Form der Erweiterung größerer Softwaresysteme, etwa im Zusammenhang mit Forschungsvorhaben des Lehrstuhls, durchgeführt und besteht dann aus einem Implementierungsteil (mit Dokumentation!) und einer schriftlichen Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen. Auch bei anwendungsbezogenen Diplomarbeiten steht die detaillierte Diskussion der Informatik-Problematik und die Analyse der verwendeten Informatik-Methoden mindestens gleichwertig neben der Analyse des Anwendungsgebiets.

Einarbeitungsphase und Proposal-Vortrag

Je nach Vorkenntnissen der Diplomandin bzw. des Diplomanden geht der eigentlichen Diplomarbeit eine Einarbeitungsphase voraus:
bulletEinarbeitung in die Literatur des gewählten Fachgebiets
bulletEinarbeitung in die Systemumgebung, in der die Implementierung stattfinden soll
bulletEingrenzung der Themenstellung

Ergebnis dieser Phase sollte ein Abstract ("Proposal") von ca. 15 Seiten Länge sein, der enthält:

bulletAbgrenzung des gewählten Themas und der konkreten Arbeitsziele
bulletvergleichende Darstellung von Grob-Lösungsalternativen unter Berücksichtigung der Literatur
bulletKurzdarstellung des gewählten Lösungsansatzes
bulletzeitlich gestaffelter Arbeitsplan

Dieser Proposal wird mit den Betreuern (Professor und Assistent) diskutiert und am Ende der Einarbeitungsphase in Form des sogenannten Proposal-Vortrags (Länge: 30 min exkl. Diskussion) im Lehrstuhlseminar vorgestellt. Der Proposal ist als "Vertrag" anzusehen, auf den sich beide Seiten berufen können. Spätestens wenn hierüber Einigung erzielt ist, sollte die Arbeit offiziell angemeldet werden. Diese abgestimmte Vorgehensweise soll Verständnisschwierigkeiten bei der Definition der Diplomarbeit oder schwerwiegenden Fehleinschätzungen des Arbeitsaufwandes vorbeugen und überzogene Bearbeitungszeiten von Diplomarbeiten verhindern. Sie gilt daher ausdrücklich auch bei externen Diplomarbeiten, bei denen der Lehrstuhl als Zweitbetreuer auftritt.

Bearbeitung der Diplomarbeit

In der eigentlichen Diplomarbeit werden nun entsprechend dem Arbeitsplan zunächst die Details des Lösungsvorschlags ausgearbeitet, dann folgt die Implementierung und deren bewertende Analyse und Dokumentation. Schließlich werden die Ergebnisse schriftlich ausgearbeitet. Bei der Bewertung der Arbeit spielt neben der Sorgfalt von Implementierung und Ausarbeitung auch die Selbständigkeit bei der Themenabgrenzung, Literaturarbeit und Lösungsfindung eine Rolle. Ebenfalls wichtig ist die kritische Bewertung von Entwurfsalternativen aus Sicht der Informatik und ggf. des Anwendungsbereichs (einschließlich der nachträglichen Selbstkritik bei der gewählten Alternative). Für praktische Arbeiten ergibt sich folgendes Grundschema einer Gliederung der schriftlichen Ausarbeitung. Es ist lediglich als Ausgangspunkt zu verstehen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
  1. Problemformulierung
    bulletEinführung in das Thema der Arbeit, Abgrenzung der Aufgabe
  2. Feststellen und Diskussion des Ausgangspunktes
    bulletWas gibt es an Literatur über das Thema?
    bulletWelche Rahmenbedingungen (insbes. Hardware, Software) sind vorgegeben?
    bulletRechtfertigung: Warum ist die Diplomarbeit sinnvoll?
  3. Entwicklung eines (formalen) Lösungsmodells
    bulletKritische Bewertung der Literatur: Was ist verwendbar?
    bulletAusgehend vom vorigen Kapitel ist ein Konzept für die Lösung der Aufgabe zu entwickeln
    bulletRechtfertigung des Lösungskonzeptes: Vergleich mit Alternativen!
    bulletDieser Abschnitt soll keine Implementierungsdetails enthalten
  4. Umsetzung des Lösungskonzeptes
    bulletAuswahl der Werkzeuge (z.B. Programmiersprachen)
    bulletBeschreibung der Implementierung (keine Programm-Listings, evtl. Architekturbilder)
    bulletDokumentation wichtiger Entwurfsentscheidungen
    bulletKritische Bewertung der Umsetzung (Testläufe mit Rechenzeiten, ggf. Fallstudie, eventuelle Lücken in der Implementierung, sinnvolle zukünftige Ergänzungen,...)
  5. Schluss
    bulletZusammenfassung: Was sind die wichtigen Ergebnisse?
    bulletEinordnung: Welche Bedeutung hat diese Diplomarbeit in der Informatik?
    bulletAusblick: Was bleibt zu tun?

Die Ausarbeitung ist keine Dokumentation der erstellten Programme. Sie soll die Fähigkeit zu selbständigem Umgang mit oder Entwicklung von Informatikmethoden erweisen. Verwendete Ergebnisse aus der Literatur sind sorgfältig zu kennzeichnen, um sie von der eigenen Arbeit trennen zu können. Programmsprachliche Ausdrücke wie z. B. "if a=b then s1" sind von der Umgangssprache und anderen Notationen (z. B. mathematische Ausdrücke) zu trennen, um Missverständnissen vorzubeugen. Der Text ist in Deutsch oder Englisch abzufassen. Eine unkontrollierte Mischung mit anderen Sprachen (insbes. "Computer-Englisch") gilt als Stilbruch.

Abschlussvortrag

Der Abschlussvortrag findet nach Abgabe der Diplomarbeit statt, in der Regel mit 2-8 Wochen zeitlichem Abstand. Im Gegensatz zum Proposal-Vortrag soll die Betonung auf erzielten Ergebnisse liegen. Es stehen 45 Minuten für den Vortrag zur Verfügung, die etwa wie folgt aufgeteilt sein sollten:
  1. kurze (!!) Rekapitulation der Problemstellung
  2. kurzer Überblick über die relevante Literatur
  3. Darstellung des Lösungskonzeptes und in gewissem Maße der Implementierungsentscheidungen
  4. ggf. Fallstudie bzw. Anwendungserfahrungen

Die letzten Punkte sind wichtiger als die ersten beiden. Es sollte kein Programmcode vorstellt werden, aber Entwurfsentscheidungen dürfen durchaus vorgetragen werden. Während und nach dem Vortrag ist mit Fragen zum Thema zu rechnen.

Aachen, 10.6.1994

           gez. Prof. Dr. M. Jarke
 
 
Updated: 07.04.09
www
Disclaimer       Webmaster  |  i5 Home  |  Projects  |  Teaching  |  Staff  | Publications | Service
 BSCW Server | Lehr- und Forschungsgebiet Informatik 5  |  Fachgruppe Informatik  |  RWTH Aachen